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Von der KUNST ein ORIGINAL zu SEIN

Wir kennen alle den Spruch „Der oder Die ist wirklich ein Original“ und meist drückt man damit Wertschätzung aus. Und wenn nicht, dann ist es zumindest die Anerkenntnis, dass jemand willens ist, seinen eigenen Weg zu gehen. Meist sind diese Originale auch imstande dazu und richten sich dabei nicht nach der Meinung der Masse. 

Immerhin ist doch allen bewusst, dass Originale einen viel höheren Wert und Preis haben, als Nachdrucke und Kopien – zumindest im wirtschaftlichen Sinne.

Was aber unterscheidet nun ein Original von ……., ja von was eigentlich? 

Von einer Fälschung, einer Kopie, einem Plagiat, einem Nachahmer, einem Mitläufer, einem Herdenmenschen? Und wie werden Originale zum Original und wie die Masse zur Masse?

Als Originale geboren

Wir alle sind als Originale geboren und sind noch mit unserem „Origin“, unserem Ursprung, verbunden, wenn wir in dieses Leben kommen. In der Früh-Zeit unseres Lebens, in der wir ausschließlich SIND, WAHRNEHMEN und im Moment präsent LEBEN, in dieser Zeit in der es noch keine Gedanken, keine Worte und kein „ich weiß“ und „ich kann“ gibt, sind wir noch mit unserem Kern des originären Seins eins. 

Und dann beginnen wir nicht mehr nur mit der Um-Welt zu interagieren, sondern auch mit der Kultur in die wir hineingeboren worden sind. Und damit beginnt der Einfluss der Welt von aussen wirklich in uns hinein zu wirken. Es sind erst die individuellen Kulturen, der Menschen die uns am nächsten sind, die auf uns einwirken. Im Laufe der Zeit und je größer wir und unser Radius auf allen Ebenen wird, werden wir von immer mehr individuellen Kulturen und zunehmend auch von der Kultur des Kollektiven geprägt, innerhalb der wir die Aussen-Welt erfahren und sich unsere Innen-Welt ausbildet.  

Bereits in diesen frühen Lebensphasen besteht die große Gefahr, dass wir die Verbindung mit unserem Ursprung und unserem Kern verlieren ….. wir hören auf ein Original zu sein. In der Auseinandersetzung mit der Welt verlieren wir uns und werden zu einer Melange der uns prägenden Einflüsse. Das macht uns zwar einzigartig, da niemand den exakt gleichen Einflüssen, Prägungen und Erfahrungen ausgesetzt ist, wie wir. Aber doch haben wir dann meistens schon aufgehört, ein Original zu sein. Wir verlieren unsere Originalität im Spannungs- und Entwicklungsfeld zwischen unserem originären Selbst und den Einflüssen der äußeren Welt. 

Kultureller Gleichschritt

Nicht, weil dies natürlicherweise so sein müsste. Sondern weil sich auf dem ganzen Planeten die verschiedenen Kulturen in einem Aspekt immer mehr angeglichen haben. Die Orientierung nach Aussen dominiert. Es zählt das Leben im Aussen mehr als das Innen-Leben. Es geht mehr um Haben, Schein und Sicherheit, als um Sein, Er-Leben, und Freiheit. 

Dadurch sind wir schwach und manipulierbar geworden. Wir sind verunsichert und werden immer noch verunsicherter, weil wir uns verlieren in einer Welt von Äußerlichkeiten, da wir vergebens Sicherheit und Halt im Aussen suchen.

Von Generation zu Generation ist diese Entwicklung vorangeschritten und hat dazu geführt, dass Konsum = bedürftige Befriedigung von aussen, über Kreation = die nährende Erfahrung bewussten Schaffens, gesiegt hat. Unsere Erfahrung der Aussenwelt, die oft überwiegend aus virtuellen, medialen Fremd-Informationen besteht und allein schon durch ihre Anzahl vollkommen überfordernd ist, dominiert über die bewusste Erkundung der reichen Eigen-Welt im Inneren. 

Die Masse ist gefangen in einer kollektiven Trance, die dazu führt, dass konformistischer Einheitsbrei und uniformistischer Weichspüler-Mainstream auf dem ganzen Globus der Ausrottung von Originalen Tür und Tor öffnen. Die Vorbilder und Anführer, denen sich die geschwächte Masse zuwendet, müssen nur das Gefühl von Sicherheit und Souveränität bzw. das Image davon vermitteln, um als qualifiziert zu gelten. Am besten gedeiht dies, auf dem Nährboden von Ängsten. 

Hinterfragen und selbst und kritisch zu denken wird als zu anstrengend empfunden – Konsum versus Kreation. Ein Großteil der Menschen hat aufgegeben den wirklich eigenen Weg überhaupt zu suchen, geschweige denn zu gehen. 

Echte Originale, werden als unbequem empfunden und sind zu weit von der eigenen Lebenswirklichkeit entfernt, als dass sie wirklich wahrgenommen und als solche erkannt werden würden. Diese Entwicklung ist durchaus eine sehr reale Gefahr für die Menschheit und all die wundervollen Errungenschaften, die den vielseitigen Fähigkeiten und Potentiale des Mensch-Seins entsprungen sind. 

Scheideweg als Chance

Aus meiner Sicht stellt sich die momentane Situation als essentieller Scheideweg für die gesamte Menschheit dar, der gerade wegen der Gaben und Fähigkeiten der Menschen eine globale Dimension erreicht hat und droht immer weiter zu eskalieren.

Es gibt dabei durchaus sehr viele positive Aspekte eine Scheideweg dieses Ausmaßes zu erreichen. Mit der Offensichtlichkeit der vollkommen aus dem Ruder gelaufenen Entwicklungen, deren wesentliche Triebkräfte ökonomischen Ursprungs sind, wird es immer leichter erkennbar. 

Es wurde, unter der Tarnkappe von Weiterentwicklung und Fortschritt, ein absurd unnatürliches Ungleichgewicht auf allen Ebenen installiert. 

Wenn es aber so offensichtlich wird und dies dadurch immer mehr zu kollektiven Erkenntnissen führt, dann wird an irgendeinen Punkt ein Prozess einsetzen, der unser System Menschheit, und auch das übergeordnete System Globus, wieder zurück in ein natürliches Gleichgewicht, aber auf einer höheren Ebene von Ordnung und Bewusstheit, führt. 

Die unnatürliche Dominanz des Ökonomischen in seiner momentanen Ausprägung wird Platz machen „müssen“ für eine Ökonomie, die nicht mehr ihre Wurzeln hat in der Gier und dem Narzissmus der Menschheit, sondern deren Wurzeln in den höheren Potentialen der Menschheit liegen. Ich bin vollkommen davon überzeugt, dass die Menschheit an der Schwelle eines fundamentalen Bewusstseins-Sprungs steht. 

Genauso bin ich davon überzeugt, dass das, was wir momentan erleben, der instinktgetriebene Überlebenskampf eines Systems und einer Zwischenstufe der Menschheit ist, die bereits ausgedient hat und „eigentlich“ schon weiß, dass es zu schon zu Ende ist.

Am Scheideweg stellen sich plötzlich auch wieder die wirklich wichtigen und tiefen Fragen der Menschheit, die sich nicht mehr mit Überleben und Anhäufung beschäftigen werden. Diese besondere Zeit, deren Zeugen wir gerade alle werden dürfen, fordert besonders heraus, uns mit diesen tiefen und wichtigen Fragen auseinander zu setzen. Manche davon sind offensichtlich, und  es dürfen gleichzeitig viele neue Fragen gefunden und gestellt werden. 

Zurück nach Vorne

Dem Leben auf diesem Planeten ging es immer nur um Höher- und Weiterentwicklung. Die Kräfte hinter diesen Vorwärts-Entwicklungen führen oft auch erstmal zurück. Zurück zum Wesentlichen, zum Ursprung, zu den Wurzeln und damit kommen wir sinnvollerweise erst einmal zurück nach Innen, um unsere eigenen Fragen zu finden. 

Wir kommen auch zurück zu der Quelle unserer Originalität, wir werden wieder wir selbst, wir erwachen aus der Trance. Wir verstehen, dass die Quelle des Mensch-Seins in jedem von uns gleichermaßen sprudelt und dass sie Innen liegt. Und dass, auch wenn die Quelle den gleichen Ursprung hat, sie doch in jedem einzelnen von uns einen unterschiedlichen Geschmack annimmt, sie zeigt sich in jedem von uns anderes. 

Jeder von uns hat sein eigenes Licht und sein eigenes Farbspektrum. Und doch ist es das Licht, das uns Menschen verbindet. Wenn wir das Licht in uns entdeckt haben, dann können wir es auch wieder in jedem Anderen sehen und gleichzeitig die Einzigartigkeit annehmen und wertschätzen. 

Ich sehe eine Welt voller Originale vor meinem inneren Auge entstehen, eine Welt, die diese kraftvolle Vielfalt nicht mehr als zu kontrollierende und vereinheitlichende Gefahr betrachtet, sondern darin den tiefen Schatz der Menschen erkennt. Die Menschheit ist schon immer eine globale Einheit, deren Lebensquelle die Einzigartigkeit jedes einzelnen Menschen ist. 

Eine Welt voller Originale ist eine lebensfrohe und pulsierende Welt voller Kreativität. Ein Original ist gleichzeitig Künstler und Kunstwerk. Er/es muss nicht konkurrieren mit anderen, da er/es sich der absurden Sinnlosigkeit dieses Kampfes bewusst ist. 

Dieser Kampf kann nur stattfinden, wenn der Fokus im Aussen gefangen bleibt und man dadurch in der Trennung lebt. Er kann nur stattfinden, wenn im Inneren noch Mangel vorherrscht und die Quelle noch nicht sprudelt. Ein Original ist das Gegenteil von Ego, ein Original ist frei sich bewusst selbst ausdrücken, ohne sich selbst oder jemand anderen zu unterdrücken. Ein Original lebt seine Antwort auf die tiefsten und besten Fragen, die er in sich selbst gefunden hat. 

Es ist höchste Zeit, dass wir und jeder für sich, uns zurück nach vorne entwickeln zu einem Original. Und dieser Weg beginnt eben dort, wo jeder gerade jetzt steht. Aber er beginnt nicht mit der Flucht in die Aussenwelt, vor den schon lange schwelenden Fragen im Inneren. 

Es ist höchste Zeit und es ist jetzt die beste Zeit, um eine mit dem Ursprung des Menschseins verbundene Kultur der Originale zu erschaffen, eine neue Form des Umgehens mit uns als Menschen, mit unseren inneren und äußeren Ressourcen und Potentialen und auch mit dem, wie wir sie austauschen, es braucht ein neues Wirtschaften – HERZWIRTSCHAFT.