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Ein Redner beginnt seinen Vortrag mit folgenden Worten:“…….

 

Stell Dir vor, Du sitzt in einem großen Saal mit vielen Leuten. Du hast Dir einen Platz in der ersten Reihe geleistet. Das Licht geht aus, die Scheinwerfer tauchen die Bühne in gleisendes Licht und der Sprecher beginnt nach einer kurzen Pause mit folgen Worten zu sprechen: „…..heute wird es ganz persönlich!“ Er geht nach vorne an den Bühnenrand und zeigt auf Dich, ohne weiter zu sprechen, und gleichzeitig richtet sich ein Lichtstrahl auf Dich! Für ein paar Augenblicke nur Stille und Du spürst, wie die Blicke auf Dich gerichtet sind.

Wie fühlst Du Dich? Wirst Du nervös? Ist Dir das unangenehm? Beginnst Du zu schwitzen? Hat irgendetwas in Dir Angst und fühlt sich bedroht? Überkommt Dich gar (leichte) Panik? Würdest Du am liebsten davon rennen oder einfach im Erdboden verschwinden?

Oder hast Du gelernt damit umzugehen und Dir nichts anmerken zu lassen. Coole Fassade, Hauptsache Dein Gesicht bewahren. Du bist innerlich bereit zum Kampf? Das Adrenalin macht Dich wach und Du stellst Dich?

Egal ob Du mit Flucht oder Angriff reagierst, was ist das, was sich da in Dir bedroht fühlt? Warum reagieren (fast) alle Menschen mit Extrem-Stress auf diese Situation?

Für mich ist der Schlüssel in dem Wort „persönlich“ versteckt. Wobei natürlich der Sprecher auch irgendeine andere Einleitung hätte verwenden können. Es geht um die unerwarteten Blicke und die Scheinwerfer auf Dir.

Sicher weißt Du, dass Persönlichkeit oder Person von „personare“ kommt, und das Bild der Maske mit sich bringt, durch die hindurch gesprochen wird. Eine Maske, die getragen wird, um eine Rolle besser verkörpern zu können.

Bei uns wird sehr viel wert auf Persönlichkeit gelegt und Persönlichkeitsentwicklung ist ein großer Markt. Kann es sein, dass wir damit nach und nach eine Kultur geschaffen haben, die darauf basiert, dass wir Rollen spielen? Und, dass wir uns so mit den Rollen, oder der einen Rolle für die wir uns irgendwann unbewusst entschieden haben, identifizieren, dass wir vergessen haben, wer wir in Wahrheit sind? Dass wir damit unsere Wahrnehmung hauptsächlich auf Äußerlichkeiten, Fassade und Schein richten.

Dass wir so, die Verbindung zu unserem wahren Ich verlieren und gleichzeitig die Verbindung zu unseren Gefühlen? Und hältst Du es für möglich, dass wir durch die verlorene Verbindung innerlich immer unsicherer werden? Und dass diese Unsicherheit eine Angst nährt, mit der wir uns aber nicht konfrontieren wollen? Auch weil wir keine Ahnung haben, wie wir diese Verbindung wieder herstellen sollen. Und wäre es dann nicht ganz logisch, dass Du Dich noch mehr an Deine Maske, Deine eine Rolle klammerst, weil sie Dir den Schein von Sicherheit gibt? Weil sie das einzige ist, mit was Du Dich wirklich identifizierst?

Wenn das so ist, ist es auch klar, dass wir in der oben beschriebenen Bühnen-Situation, extrem fürchten, unsere Maske zu verlieren. Dass uns jemand entlarvt und jemand entdeckt, dass wir nicht die Maske sind und das dahinter vor allem Unsicherheit ist. Und dass wir uns schweigend darauf geeinigt haben, uns gegenseitig nicht die Masken vom Gesicht zu reißen? Wir uns gegenseitig in unseren Rollen halten und einen „Nicht-Hinter-Die-Maske-Sehen“-Pakt geschlossen haben?

Angenommen all das würde stimmen. Würdest Du nicht gerne aus diesem Spiel aussteigen? Würdest Du nicht gerne erfahren, zu was Du noch alles fähig bist, außer die eine oder andere Rolle zu spielen? DICH selbst wieder wirklich kennen zu lernen? Dich zu befreien und in jeder Situation mit Dir verbunden zu sein und zu spüren, was Du gerade wirklich fühlst und Dich beherzt ausdrücken. Direkt, unmittelbar und nicht durch die Maske?

Ja, das braucht vor allem Mut. Mut und eine klare Entscheidung. Und es wird sich am Anfang sehr ungewohnt anfühlen, Du wirst mit Deiner Unsicherheit konfrontiert werden. Du musst Dich Deinem wahren Ich erst wieder annähern. Aber Du erhältst nicht weniger als Freiheit und ein neues Leben dafür. Du bekommst DEIN Leben und DEINE Lebendigkeit zurück. Dafür lohnt es sich doch, oder?

Und wenn sich dann wieder der Scheinwerfer auf Dich richtet, hast Du nichts mehr zu verbergen und kannst einfach in den Augenblick eintauchen und DICH ausdrücken und DICH zeigen.

Das ist das, was ich ein herzwirtschaftliches Leben nenne 😉