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Der Finger der auf andere zeigt ………..

Der Finger der auf andere zeigt, zeigt im selben Moment von Dir weg, was bedeutet, dass Du damit auch von Dir selbst weg gehst. Es ist eine Geste der Trennung und Du gibst mit ihr auch einen Teil Deiner Macht ab und richtest Dich nach außen aus, egal, ob Du im positiven Sinne auf jemanden, oder etwas, zeigst oder in einem abwertenden. 

In beiden Fällen hat es etwas mit einer Bewertung im Aussen zu tun, spiegelt gleichzeitig aber auch etwas von Deiner Innenwelt nach aussen, denn jede Form der Bewertung sagt gleichzeitig auch etwas über Dich aus und darüber wie es um Deinen Eigen-Wert steht.

Dieses nach außen zeigen, sich nach dem Außen richten, scheint meist die leichtere Lösung in Situationen, die uns schwierig, stressvoll oder herausfordernd erscheinen. Gerade diese Situationen sind aber eigentlich Einladungen tiefer zu gehen, nach innen zu gehen, zu wachsen, mehr Verantwortung zu übernehmen und bewusster zu werden. 

 

Wo geht die Menschheit hin?

Die Menschheit hat in den letzten Jahrzehnten eine inflationäre Tendenz entwickelt, die Aufmerksamkeit nach außen zu richten, was eine tiefliegende Verunsicherung und Entfremdung im Umgang mit dem Selbst bewirkt hat und auch die Quelle von einem erhöhten grundsätzlichen Stress-Pegel ist, der diese Entwicklung zusätzlich weiter befeuert. 

Damit einhergehend ist ein mehr oder weniger bewusstes Gefühl von Bedürftigkeit, das gestillt werden soll mit Konsum in vielfältigen Facetten. Dieser Konsum hat zumeist auch sehr viel Äußerliches, ist kurzfristig orientiert und erschafft den Schein von Zufriedenheit und einen scheinbaren Wert. In Wahrheit erzeugt er aber noch mehr Abhängigkeit vom Außen und verringert zusätzlich die Fähigkeit sich selbst wirklich wahrzunehmen. 

So wird eine Lebenswirklichkeit erschaffen, die geprägt ist von Gefühlen der Unsicherheit und Abhängigkeit. Die daraus resultierende Überforderung wird durch vielfältige Möglichkeiten zu betäuben versucht. All die Formen der Betäubung wiederum halten uns in einer künstlichen Trance gefangen, die uns weiter von unserer Innenwelt entfernen.

Dies hat natürlich auch massive Auswirkungen auf unser Sozialleben. Eine Menschheit, die sich von sich selbst entfernt hat, innerlich verunsichert ist und unter einem ständig wachsenden Stress-Level leidet, kann schwerlich mit anderen Menschen wirklich authentische, ehrliche und nährende Beziehungen aufbauen.

Was ist der Nutzen davon?

Daraus erfolgt oft eine Rückzugs-Bewegung, ins Private, ein sich stürzen in die Arbeit,  oder ein Verschwinden in virtuellen Welten. Was aber meistens eben nicht passiert, ist ein Rückzug in bzw. eine Rückbesinnung auf die eigene Innenwelt und eine tiefere Auseinandersetzung mit sich selbst. 

Dieser Zustand macht auch anfällig für Einflussnahme von Außen, für Manipulation und für den Wunsch nach einfachen und schnellen Lösungen, was doppelt gefährlich ist. Denn einerseits wird dabei wieder die eigene Macht abgegeben, bildlich also wieder nach außen und von dem Selbst weggezeigt und andererseits unterstützt dies wieder Trennung – Trennung von dem eigenen Inneren, aber auch die Trennung im Außen.

Es ist ja, wenn ich einfache Wege zur Lösung suche, immer einfacher, erstens im Außen nach dem Verantwortlichen zu suchen und zweitens im nächsten Schritt eine Gruppe verantwortlich zu machen, die dann „die Anderen“ sind und diese für das Problem verantwortlich zu machen.

Dadurch entsteht wieder ein doppelter Nutzen, es gibt eine einfache Lösung durch „die Schuldigen“ und ich muss mich nicht mit mir selbst auseinandersetzen.

 

Was sind die Folgen aus diesem Verhalten?

Überall dort, wo Trennung erzeugt wird, die nicht im positiven Sinne eine bewusste und gesunde Abgrenzung darstellt und die  nur auf einem bewussten und stabilen Selbst aufgebaut werden kann, sondern eine Ausgrenzung „der Anderen“ darstellt, entsteht früher oder später eine Spaltung. 

Diese Spaltung zeigt sich dann auch im Außen und wird verteidigt, da das künstliche Selbst sich Identifizierung mit der eigenen Gruppe und der eine WIR-Identität annimmt. Auf diese Weise wird einfach und schnell ein Pseudo-Selbstwert gestärkt. Und genau an diesem Punkt wird es besonders gefährlich.

Die im Außen sichtbare und wirksame Spaltung, ist ja nur eine Projektion dessen, was im Inneren der Menschen nicht integriert ist, mit was man sich im Inneren nicht ehrlich und bewusst auseinandergesetzt hat, für welche Themen und Bereiche seines Selbst man nicht bewusst die Verantwortung übernommen hat, was auch immer individuell die Gründe dafür sein mögen. 

Der Finger der auf andere und nach aussen zeigt, zeigt immer auch deutlich und sehr sichtbar, wie es um das Bewusstsein desjenigen oder derjenigen steht, die da Finger zeigend etwas auf andere abzuwälzen versuchen, was sie doch nur in sich lösen können. 

 

Und die Lösung? ……. ist „eigentlich“ einfach, aber nicht leicht.

Es geht „nur“ darum, zunächst überhaupt ein Bewusstsein dafür zu entwicklen, wenn der sinnbildliche Finger nach Außen schnellt und auf etwas oder jemanden im Außen zeigt, auch wenn dies, zumindest am Anfang, schmerzhaft häufig sein kann. 

Und immer dann, wenn ich in diesen Momenten in mich gehe und mir bewusst mache, um was es gerade wirklich geht, was wirklich das Thema ist und für was ich die/ meine Verantwortung gerne abgeben möchte, dann bin ich schon einen großen Schritt weiter.

Dann komme ich automatisch von der Projektion nach außen, dem Fingerzeig, in ein neues Bewusstsein der Innenschau und kann in mir das Thema integrieren. Und wenn ich ein Thema wirklich integriert habe, dann bin ich nicht nur wieder fähig verantwortlich damit umzugehen, sondern transformiere mein Bewusstsein auf die nächste Stufe.Dieser Prozess von Inklusion und Transformation ist das, was uns individuell und auch kollektiv wachsen lässt und eine Höherentwicklung voran treibt.. 

Das Gegenteil ist ein Prozess von Exklusion und damit einhergehend der Notwendigkeit einer Verteidigung des Status Quo, wodurch positives Wachstum und Weiterentwicklung verhindert wird, was einen sehr unnatürlichen Zustand darstellt.

 

Ganzheit und Beziehung

Das individuelle und das kollektive Bewusstsein sind verbunden. 

Je mehr Menschen den Weg der bewussten Auseinandersetzung wählen, je mehr Menschen dem Fingerzeig-Reflex widerstehen und an dessen Stelle einen Prozess der bewussten Übernahme von Selbst-Verantwortung wählen, desto mehr Freiheit und Verbundenheit entsteht auf beiden Ebenen.

Je mehr Menschen individuell wieder ganz und wieder ganz sie selbst werden, desto mehr kann die Menschheitsfamilie auch wieder zusammenwachsen, weil die Fähigkeit sich authentisch auf sich selbst zu beziehen auch die Basis schafft, mit anderen ehrlicher und tiefer in Beziehung zu kommen.

Wer verunsichert ist und sich isoliert fühlt, hat auch viel Stress. Und ein gestresster Mensch verengt seinen Fokus auf Überleben. Eine gestresste Menschheit beginnt ums Überleben zu kämpfen, auf individueller Ebene und auf Ebene der Gruppen mit denen man identifiziert ist.

Jeder Mensch und wir als Menschheit sind immer nur eine bewusste Entscheidung entfernt von einer positiven Lösung, die inkludiert und uns transformiert auf das „Next-Level“. 

Die Beziehung zu Dir selbst ist der Dreh- und Angelpunkt aller Beziehungen die Du in der Welt erlebst.

Und jede Entscheidung mit dieser machtvollen Wirksamkeit braucht Mut. 

Und diesen Mut, Dich wirklich zuerst für Deine Innenwelt zu entscheiden, wünsche ich Dir zu Deinem Wohl und zum Segen aller Menschen aus tiefstem Herzen!