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„An Ihren Früchten sollt ihr sie erkennen …..“

 

…..denkt es plötzlich in mir, als ich entspannt und genüsslich auf die herrliche Berglandschaft blicke und die wärmende Herbstsonne genieße. Ich sitze auf einer idyllischen Terrasse und habe ein herrliches Essen vor mir stehen. Mein Körper fühlt sich angenehm an, nach einem schönen langen Spaziergang, und dann ist plötzlich dieser Satz in meinem Kopf.

Und gleichzeitig mit diesem Satz, steigt ein schlechtes Gewissen in mir auf. Das fesselt mich, und ich will es mir genauer ansehen. Mir ist klar, dass es da einiges zu ent-decken gibt.

Was mir als erstes auffällt ist, dass Bibelzitate, egal wie inspirierend ich sie finde, in mir gleichzeitig immer auch ein schlechtes Gewissen auslösen. Und ich bin mir sicher, dass das nicht nur mir so geht. Warum ist das so? Haben vielleicht diejenigen, auf deren Interpretationen wir uns verlassen haben und die uns gelehrt haben, was Glauben bedeutet, gleichzeitig auch entsprechende Glaubenssätze und die dazugehörigen Gefühle in uns verankert? Und dass sich das auch gar nicht nur auf religiöse Themen bezieht. Es gibt ja viel mehr, was wir glauben.

Wir bekommen im Leben, was wir glauben, oder besser, was es in uns glaubt. Die meisten unserer Glaubens-Sätze sind uns aber nicht bewusst, und die wenigsten davon würden wir wohl freiwillig wählen.

Dann wird mir noch bewusst, wie spannend doch auch der Augenblick ist, in dem dies passiert. Es ist ein nahezu perfekter Augenblick voll Genuss, Freude und entspanntem Glücksgefühl. Und genau dann, in diesem Moment, in dem man sich deutlich über das „normale“ Maß an Glück hinaus-fühlt, zack, zieht etwas aus dem Unterbewussten mich wieder zurück in die Normalgrenze. Schlechtes Gewissen ist dazu ein sehr probates Instrument, wenn gerade keine Sorgen und Probleme im Kopf herum schwirren. So wird die Obergrenze sehr schnell wieder durchgesetzt.

Und dann bin ich endlich soweit, mir den Satz mal genauer anzusehen: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“. So wie ich ihn bisher immer verstanden habe, bzw. „Halt!“ -ich hatte mir offensichtlich noch nie die Mühe gemacht ihn selbst zu verstehen, da irgendwoher scheinbar schon eine vorgegebene Interpretation in mir installiert war. Also, wie ich ihn verstanden zu haben glaubte, ging es vor allem um die Früchte. Und damit einhergehend um die Überzeugung: „Keine oder zu wenig Früchte = schlechter Mensch“. Mal sehr verkürzt dargestellt.

Darin ist eines der Dilemmas angelegt, in denen wir fest stecken. Wir sind gefangen in dem Wahn viele Früchte „produzieren“ zu müssen. Es geht primär um Ergebnisse und um Leistung. Damit sind wir auch mit unserer Wahrnehmung im Außen gefangen. Meistens wird uns auch noch vorgegeben, welche Früchte in genau welcher Größe wir hervor zu bringen haben. Ist das nicht vollkommen absurd? Ist es nicht vollkommen klar, dass sich niemand damit wohl fühlen kann, geschweige denn Erfüllung in seinem Tun finden kann?

Wie wäre es denn, wenn wir in dem Zitat, den Fokus erstmal aufs Erkennen und Erkenntnis legen? Wenn wir an unseren derzeitigen Früchten erkennen, was es in uns glaubt? Und, wenn wir genau hinsehen oder erspüren, welche Früchte wir von uns aus, ganz natürlich und mühelos, produzieren würden? Und, wenn wir uns in diesen unseren Früchten dann selbst erkennen und dies immer mehr ausdrücken? Wenn wir uns erst danach damit beschäftigen, wie wir unsere besten Früchte hervorbringen. Und, nur wenn wir es wirklich wollen, wie wir auch noch viel mehr davon hervorbringen können? Wie unglaublich bunt, reich und mannigfaltig wäre so eine Welt?

Da kommt mir noch ein letzter Gedanke, bevor ich mich endlich dem Essen widme. Ist es nicht genau das, was wir auch im Außen machen, bzw. zulassen und erleben? Die Monokulturen, das Sorten- und Artensterben, Vereinheitlichung und Monopolisierung, ….? Ist das nicht ein perfektes Spiegelbild von dem, was wir als Menschen er-leben?

Und ist es nicht gleichzeitig auch unsere tiefste Sehnsucht, wieder unsere Natürlichkeit und Einzig-Artigkeit zu entdecken und zu leben? Bewundern wir nicht gerade die, die wir als authentisch und ausdrucksstark empfinden?

Wann hast Du Dir zuletzt bewusst DEINE Früchte angesehen, um Dich darin zu erkennen? Hast Du noch wirklich Bezug zu Deiner Einzig-Art? Welche Sorte Mensch bist Du in Wahrheit? Was will vollkommen natürlich aus Dir in die Welt wachsen?

Hebe Deinen Schatz in Deinem Inneren und bereichere die Welt mit Deiner Einzigartigkeit. Re-Naturiere Dich! Und gib Dich in DEINEN Früchten zu erkennen!